Wenn die Zeit ihren Kreis schliesst

(Oktober 2025)

Es gibt Begegnungen, die nicht von uns geplant werden.

Sie kommen wie ein leiser Windstoß, den wir nicht vorhersehen,

und doch verändert er die Luft um uns herum.

 

Ich habe nicht damit gerechnet.
Nicht heute.
Nicht so.
Und doch stehst du plötzlich vor mir.
Zwei Jahre Schweigen.
Zwei Jahre, in denen ich dich loslassen wollte,
aber dich nicht vergessen konnte.

 

Über zwei Jahre Stille lagen zwischen uns.

Eine lange Zeit, in welcher wir beide in eigenen Welten lebten,

getrennt durch unsere Alltagspulse, Distanz und all die Verletzungen, die uns auseinandergetragen hatten.

Ich hatte den Verlust betrauert wie man ein Stück Himmel verliert,

das einem einmal Heimat war.

 

Und dann – ohne Ankündigung – stehst du wieder vor mir.
Kein Brief, keine Warnung!
Nur dieser Augenblick, in dem meine Seele weiss:
Das Leben hat etwas anderes mit uns vor.

 

Mein Herz schlug so laut, als hätte es mich schon vorher gewarnt.

Dein Blick traf meinen.

Dein Blick – dieses tiefe Erkennen, wie ein Schlüssel, der in ein altes Schloss passt.

Und da waren sie, die Tränen.

Deine. 

Meine.

 

Zwischen uns stand all das, was uns getrennt hatte -

wie unsichtbare Schatten. 

Da war Freude, ja…

Aber auch das Gewicht der Vergangenheit, sowie die Erinnerung an alles, was uns einmal tief verbunden und dennoch getrennt hat.

 

Ein immenses Chaos in mir -
wie Wellen, die durcheinanderstürzen.
 

So viele Gedanken, die mich durchströmten, 

Bilder von Lachen und Nähe, 

aber auch die Wunden, die noch nie ganz geschlossen waren.

Und ganz tief unten noch etwas anderes:

Dieses unsichtbare Band, das trotz allem nicht entzwei gerissen ist.

 

Alles gleichzeitig.
Kein klares Gefühl –
nur ein Übermaß an Gefühl.

 

Manchmal ist das Leben ein geduldiger Gärtner.

Es weiß, wann zwei Samen getrennt wachsen müssen, damit sie, 

wenn sie sich wiederfinden, nicht mehr dieselben sind wie zuvor.

Und vielleicht ist das der Sinn solcher Pausen:

dass wir uns in der Zwischenzeit mit uns selbst versöhnen, 

um einander wieder neu zu begegnen…

 

…Nicht als die, die wir waren,
sondern als die, die wir geworden sind.
 

Es hatte den nächsten Tag gebraucht, als das Aufgewühltsein langsam Wellen schlug und sich setzte wie Staub in der Sonne.

Im Stillen wurde mir klar:

Manchmal wachsen wir über uns hinaus, wenn wir uns hingeben,

wenn wir uns einlassen und die Kontrolle loslassen.

Wenn das Leben die Regie übernimmt, während unser Geist noch ruft:

„Ich bin noch nicht bereit.“

Andere Kräfte tragen uns in diese Momente –

auch wenn wir innerlich blockieren, 

auch wenn wir für einen Atemzug erstarren im Schock, 

weil wir nicht wissen, wie wir dieses plötzliche Nahsein halten sollen.

 

Und doch geschieht Heilung –
in der Rührung, die wir nicht verstecken können,
im Schweigen, das nicht leer ist,
sondern voller Dasein.

 

Der Geist hätte uns geschützt, 

hätte Mauern hochgezogen, um uns vor neuer Verletzung zu bewahren.

Doch die Seele –

die Seele öffnet die Tür weit, damit wir erleben, was wahr ist und auch noch wahr sein kann.

 

Und so lässt sie uns spüren,
dass manches nur geheilt werden kann,
wenn wir es zulassen,
fühlen,
und atmen –
auch wenn der Atem dabei stockt.

 

Diese Begegnung war kein Neubeginn und kein bloßes Wiedersehen.

Es war ein stilles Anerkennen:

Wir haben still nebeneinander her gelebt, und dennoch sind wir verbunden geblieben.

Tief. 

Unverlierbar.

 

Denn wahre Freundschaft - die, die im Herzen wurzelt, kennt keine endgültige Trennung.

Sie ruht vielleicht, schläft in der Falte der Zeit, aber wenn der Augenblick kommt, erwacht sie und erinnert uns daran, 

wer wir füreinander sind.

 

Wer du für mich bist…
…und immer sein wirst.

Gewidmet an D.Z,
die mit mir diese Geschichte schreibt...