Wo wir uns selbst im Weg stehen
(August 2025)
Ein paar Gedanken über innere Grenzen, lebendige Möglichkeiten und die wundersame Kraft des Mutes
Es sind oft nicht die äußeren Umstände, die uns aufhalten.
Nicht das Leben, das zu schwer, zu laut oder zu fordernd ist.
Sondern wir selbst.
Unsere Gedanken.
Unsere alten Geschichten.
Die leisen «Ich kann das nicht» und die abwinkenden «Das ist nichts für mich.»
So stehen wir dann am Rand eines weiten Feldes –
und bleiben auf dem bekannten Pfad, weil wir glauben, dass das vor uns oder der Rest nicht für uns gemacht sei.
Dass Freiheit nur für andere möglich ist.
Dass Tiefe ein Risiko ist.
Dass Wandel Mut verlangt, den wir angeblich nicht haben.
Doch wer sagt das?
Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich mein Studium beendete.
Eine Lebensphase, die mehrere Jahre meines Weges prägte,
mit all ihrem Lernen, Ringen und Wachsen.
Und dazwischen – über eine längere Zeit – dieser Wunsch, der sich immer wieder fein meldete:
Frei sein.
Losfahren und das wilde Leben spüren.
Einmal einen Töff besitzen!
Kein aufdringlicher Wunsch, aber konsequent.
Anders, als das Gewohnte.
Wie eine leise Ahnung von etwas, das zu mir gehörte.
Irgendwann sah ich es: Ein Inserat.
Unscheinbar.
Eines unter vielen.
Ein Bild von einem Töff – einer neben ungezählten anderen.
Ein Klick.
Und ein Gefühl.
Genau der!
So klar.
Voll mit Vibration.
Weitere Klicks.
Immer wieder.
Ich wusste nicht, woher, aber irgendetwas in mir sagte:
«Das ist dein Moment!»
So spürbar!
Mein Töff!
Da war er!
Ohne zu wissen, wie das gehen könnte, war da noch eine andere Kraft in mir,
die entschlossen war…
Als würde ich dem Leben sagen: «Ich bin bereit dir zu glauben.»
Oder mir selbst?
Und so machte ich mich auf den Weg – am selben Tag wie ich mein Studium abschloss. Ein einziger Impuls, dem ich folgte, wurde zu einer Entscheidung,
die mehr war als ein Kauf.
Es war, als würde ein Kapitel in meinem Leben bewusst abgeschlossen, indem ich diesen lang gehegten Wunsch ernst nahm.
War ich es?
Oder das Leben, das mir diesen Töff schenkte?
Mit ihm begann etwas Neues.
Nicht ganz ohne Bedenken, doch auf so wunderbar schöne Weise.
Ein Aufbruch, der aus einem inneren Ja geboren wurde.
Weil dieser kleine Funken in mir plötzlich Bedeutung bekam.
Wie damals, als ich irgendwann losgezogen bin.
Alleine.
Mehrere Monate.
Mit dem Rucksack und sonst nichts.
Ich wollte mehr vom Leben finden.
Und vielleicht mich selbst ein Stück weit neu er-finden.
In neuen Rollen.
In fremden Städten, an fernen Orten.
Unter anderen Sternen, mit weiteren Gedanken, die sich zuerst noch fremd,
doch plötzlich wie meine eigenen anfühlten.
Sie waren freier.
Und größer.
Irgendwie wahrhaftiger.
Solche Entscheidungen wirken von außen vielleicht mutig.
Aber tief innen sind sie oft ganz still und stark.
Wie ein inneres Nicken.
Ein kleines feines «Jetzt».
Ein klares «Ich kann nicht mehr warten, bis ich bereit bin.»
Denn endlich bin ich es.
Wer sagt eigentlich, wann wir bereit sind?
Wer hat diese Stimme in uns hineingesetzt, die zweifelt, zögert und so vieles hinauszögert?
Ich glaube, es sind Entscheidungen, die wir einst getroffen haben - unbewusst, irgendwann,
und seither unbemerkt wiederholen.
Wie Programme, die im Hintergrund laufen.
Und jedes Mal, wenn das Leben uns ruft,
flüstern sie: «Bleib lieber hier. Es ist sicherer.»
Doch Sicherheit ist nicht immer Wahrheit.
Und Gewohnheit ist nicht immer wahr.
Auch der Schritt in die Selbständigkeit war nicht kalkulierbar.
Er war nicht sicher. Und alles andere als abgesichert.
Dennoch war sie da, jene Stimme in mir, die immer lauter wurde.
«Ich kann nicht weiter in meinem alten Beruf bleiben, nur weil er Sicherheit verspricht.»
Auf einmal verformte sie sich zu einem tiefen Wissen:
Wieso sollte ich bleiben, wenn sich etwas in mir nach Weite sehnt?
Nach mehr Gestaltung?
Nach meinem eigenen Rhythmus?
So oft halten wir uns selbst zurück, weil wir glauben, dass wir zuerst noch dies und jenes tun müssen. Oder weil wir denken, dass der Traum nur dann gültig ist, wenn er logisch ist.
Doch das Leben ist nicht logisch.
Es ist lebendig.
Und manchmal beginnt Lebendigkeit in einem kleinen, hauchdünnen Gedanken:
«Was, wenn ich einfach mal dieses viel zu teure Haus anschauen gehe?»
Nicht, um es zu beziehen, sondern um meine Vorstellungskraft auszuweiten.
Oder um zu spüren, wie sich Räume anfühlen,
die ich mir früher nie erlaubt hätte…
Vielleicht geht es gar nicht um das Haus.
Sondern um die Erlaubnis einfach zu schauen.
Neugierig zu sein.
Eintreten zu dürfen, auch wenn der Verstand flüstert:
«Das ist doch aber wirklich nichts für dich.»
Wer entscheidet das eigentlich?
Wir sagen viel zu oft Nein zu Möglichkeiten, bevor wir sie überhaupt gespürt haben. Wie oft geschieht das aus Angst, dass sie uns verändern könnten?
Oder was andere «darüber» denken?
Und vielleicht befürchten wir sogar, dass wir uns selbst darin
nicht wiedererkennen würden.
Ich glaube, oft sind es kleine Alltagsmomente, in denen sich etwas drehen könnte. Denn jede Grenze, die wir in uns erkennen, ist eine feine kleine Schwelle -manchmal eine grosse tiefe Schlucht.
Und wenn sie eine Einladung ist, innezuhalten?
Sie zu betrachten und uns zu fragen: «Muss das so sein»?
Es ist einfach diese Grenzen zu umgehen – oder wieder hinauszuschieben.
Doch es gibt keinen richtigen Zeitpunkt.
Es gibt nur ein Ja!
Was, wenn eine Grenze zu einem Tor wird, das sich öffnen kann,
wenn wir bereit sind, unsere Geschichten zu hinterfragen?
So vieles beginnt, wenn wir aufhören zu warten.
Und anfangen zu machen.
Nicht, weil wir genau wissen wie. Sondern weil wir endlich ehrlich sind mit dem, was wir wollen.
Du stehst also an der Schwelle, und statt zurückzuweichen,
gehst du einfach weiter.
Was, wenn deine Begrenzung nicht das Ende ist, sondern der Anfang einer neuen, inneren Weite?
Du machst es.
Du tust es.
Und erst dann spürst du:
Du bist es.
Mir wird bewusst, dass manche Grenzen nur existieren,
weil wir nie versucht haben, sie zu berühren.
Es genügt, darüber nachzudenken…
Wie schön.
Wie befreiend.
Wie diese stillen Momente, in denen wir beginnen, uns selbst neu zuzuhören.
Es braucht überhaupt keine grossen Gesten.
Atmen.
Einmal tief durchatmen.
Und erinnern, dass du schon oft aus alten Rahmen getreten bist.
Dass du weißt, wie es geht.
Dass das Neue dich kennt – und längst auf dich wartet.
In kleinen Entscheidungen.
In schönen Räumen.
In einem Töff an deinem letzten Studientag.
In einem Haus, das du einfach bloss bestaunen darfst.
Und in dir.
Manchmal beginnt das Leben neu, wenn wir uns selbst erlauben,
anders zu denken als gestern.
Jeden Tag.
Immer wieder neu.
***
Und vielleicht fragst du dich gerade JETZT:
Was in dir wartet schon lange darauf, gelebt zu werden – fern von Sicherheit, Erwartungen und alten Mustern?
Und wenn es keine Begrenzung gäbe, keine Stimme des Zweifelns – was wäre dein erster Schritt in ein neues, freieres Leben?
Denn manchmal beginnt alles mit einem einzigen wahren:
«Warum eigentlich nicht?»